Jubiläum

100 Jahre Schulhaus Ergaten

Der Bau des Ergatenschulhauses

In einem Projektwettbewerb, der 1916-1917 durchgeführt wurde und an dem 11 Architekten teilnahmen, errang Albert Rimli mit seinem Projekt «Platzgestaltung» den 2. Preis, Hermann Scheibling mit «Karthäuser» rangierte noch vor ihm. Die Schulvorsteherschaft unter der Leitung von Dekan Jakob Meier beabsichtigte nun, beide Architekten (Scheibling für die Bauleitung, Rimli für die Pläne, Bauleitung vor Ort: Karl Zerle) am Auftrag zu beteiligen, auf dem grossen freien Gelände jenseits der Laubgasse das «Wannenfeld-Schulhaus» auszuführen. Am 14. Dezember 1919 hiessen die Stimmbürger den Neubau des Schulhauses mit Turnhalle gut. Am 16. Mai 1920 wurden Pläne und Finanzierung akzeptiert. Eine spezielle Baukommission, geleitet vom Architekten Albert Brenner, begleitete die Arbeiten und lieh der Vorsteherschaft ihre Kompetenz. Auf dem 17’849 m2 grossen Areal «im Wannenfeld erfolgte am 19. Juli 1920 der erste Spatenstich, am 6. Januar 1921 war das Hauptgebäude aufgerichtet, und am 2. Oktober 1921 wurde das neue Ergaten-Schulhaus feierlich eingeweiht. Das neue Haus enthielt, auf zwei Stockwerke verteilt, sechs Lehrzimmer für je 60 Schüler, eines davon war «für die künftige Bevölkerungsvermehrung von Gross-Frauenfeld in Reserve gestellt». Im Dachstock befanden sich zwei Räume für Handarbeitsunterricht, im Untergeschoss helle Arbeitsräume für die «Pappi», die «Hobli» und die «Schnitzi». Den staunenden Besuchern imponierten besonders auch das Brausebad, der Milchabgaberaum für die Pausenmilch und die Schulküche mit drei verschiedenen Herden, einem Gas-, einem Holz- und einem Kohleherd. Die Mädchen sollten im Haushaltunterricht mit all dem vertraut werden, was sie in der Zukunft antreffen würden. Der Berichterstatter der «Thurgauer Zeitung» rühmte auch, dass in allen Zimmern warmes und kaltes Wasser zur Verfügung stehe, dass der hinterste Winkel von elektrischem Licht gut ausgeleuchtet werde. Dunkel bleibe es nur im Karzer, dem Arrestlokal, von dem aus man im Übrigen die schönste Aussicht habe! Um 1920 gehörte also eine solche «Strafzelle» ins Raumprogramm einer Primarschule. In einer anderen Beziehung zeigte sich eher, wie zeitgemäss hier gebaut wurde. Eine «flott ausgestattete» Turnhalle gehörte nun zum Standard einer Schulanlage. Sie war übrigens auch als Projektionsraum, will heissen Kinosaal, konzipiert und vorgesehen. Man rechnete nicht nur bei der Halle mit einer Benützung durch Vereine, sondern stellte auch im Souterrain Räume für das «schwere Turnen» für Ringen, Schwingen, Steinstossen, Gewichtheben etc. bereit. Ein grosser Turn- und Spielplatz umgab das neue Gebäude auf allen Seiten. Noch waren erst wenige Häuser in unmittelbarer Nähe erstellt: Auf der andern Seite der Laubgasse stand das älteste Haus an diesem Strassenabschnitt, das Haus «Zur Grünen Au» (heutige Bahnhofstrasse 40), an der Weinstrasse ein halbes Dutzend Häuser, an der Wiesenstrasse kaum die Hälfte. Einzig entlang der Wannenfeldstrasse zeichnete sich eine grössere Häuserzeile ab. Noch war die Bahnhofstrasse erst im Bau begriffen. Sie durchschnitt und teilte das grosse der Schulgemeinde gehörende Areal. Die auf der Nordseite der Bahnhofstrasse gelegenen Parzellen wurden später an Private verkauft. Der Berichterstatter der «Thurgauer Zeitung» gab seiner Freude darüber Ausdruck, dass das neue Schulhaus nun an eine belebte Strasse zu stehen komme, denn «die Stadt soll ihre schönen öffentlichen Gebäude nicht unter den Scheffel stellen; man soll sie sehen lassen vor aller Welt».